Was ist eine Renaturierung?


re·na·tu·ri̱e̱·ren

wieder in einen naturnahen Zustand zurückführen


Das ist laut Wörterbuch der Vorgang, der bei einer Renaturierung von statten geht. Aber wann und aus welchem Grund bewegte sich ein Zustand überhaupt von der Natur weg? Wer möchte ihn warum wieder dorthin zurückführen – und wie geht das eigentlich?

Viele Fragen – die am Beispiel der Brenz beantwortet werden können.

Der ursprüngliche Zustand und wie er verloren ging

Vor etwa 70 Jahren noch verlief die Brenz in vielen Schleifen und Schlingen durchs Tal. Störche brüteten in den Dörfern, die angrenzenden Wiesen waren feucht und nass.
In den 1960ern begannen jedoch die Begradigungen, Entwässerungen und Tieferlegungen. Gründe dafür gab es viele. Hochwasserschutz und Landgewinnung waren einige davon. Nicht nur die Brenz, natürlich auch viele andere Flüsse der gesamten Bundesrepublik wurden begradigt – was jedoch nicht nur positive Folgen hatte. So heißt es beispielsweise in einem Artikel der Zeitschrift ,,Der Spiegel“ aus dem Jahre 1987:


Flußbegradigung und Trockenlegung vernichten die letzten Reservate bedrohter Tier- und Pflanzenarten. Seit Kriegsende haben Wasserbau-Ingenieure in der Bundesrepublik rund 40 000 Kilometer Flüsse und Bäche […] kanalisiert, betoniert und reguliert. Ein Ende ist nicht abzusehen […] Die Wasserbauer haben die Republik derart gründlich entwässert, daß selbst einstige Allerweltstiere wie Storch und Elritze auf die „Roten Listen“ der vom Aussterben bedrohten Arten rückten.


Und jetzt?

Vor den Maßnahmen verlief die Brenz kanalartig. Man kann eine Renaturierung oftmals auch hören – der Fluss plätschert wieder

Rund 13 Jahre nach Veröffentlichung dieses Artikels, im Jahre 2000, wurde seitens der EU eine Wasserrahmenrichtlinie festgelegt. Diese fordert für alle Fließgewässer einen guten ökologischen und chemischen Zustand.
Letzterer war im Falle der Brenz gut – doch die Gewässerstruktur sollte insbesondere aufgrund der zahlreichen Begradigungen in das Maßnahmenprogramm aufgenommen werden.
Da es sich bei der Brenz um ein bedeutendes Gewässer der sogenannten 1. Ordnung handelt, ist das Land Baden-Württemberg für die Unterhaltung des Flussbettes und der Ufer sowie für die ökologische Entwicklung zuständig. So setzte das Regierungspräsidium Stuttgart, Landesbetrieb Gewässer zwischen 2010 und 2014 insgesamt sieben Renaturierungen an der Brenz um – neun Millionen Euro flossen dabei in rund sechs Flusskilometer. Finanzielle Unterstützung erhielt das Land dabei durch Fördermittel der EU.

Wie sieht das in der Praxis aus?

Noch kann der Prozess nicht als abgeschlossen betrachtet werden, da einige Abschnitte der Brenz immer noch unnatürlich sind. Dennoch wurde die Gewässerstruktur durch die bislang getroffenen Maßnahmen entscheidend verbessert. Die Renaturierungen brachten beispielsweise mit Flachwasserzonen, kurvigem Verlauf, oder dem Einbau von Buhnen Abwechslung in den Fluss, sodass eine Vielzahl an ökologischen Nischen entstehen konnte. Ein Baumstumpf im Flussbett ist an dieser Stelle kein „Manko“, das beseitigt werden muss, sondern eine ökologische Aufwertung für das Gewässer.

Bei der Arbeit: die Brenz wird renaturiert

Das Ergebnis sieht man unter anderem in Giengen, wo ein Abschnitt von der Länge eines Kilometers umgestaltet wurde. Durch den ehemals abgetrennten, inzwischen aber angeschlossenen und entschlammten Altarm im Längenfeld, fließt die Brenz nun wieder wie früher durch einen zusätzlichen Seitenarm. Das ehemalige Ufer mit dem Gehölzsaum bleibt als Insel erhalten und eine Weidenspreitlage schützt die Ufer vor Erosion.
Ein anderes Beispiel ist das Brenzufer unterhalb der Bindsteinmühle bei Herbrechtingen (im Beitragsbild zu sehen): dort wurden Flussschlingen angelegt und ein Teil des alten Verlaufs als einseitig angeschlossener Altarm stehen gelassen. Dieser dient nun allen möglichen Wasserlebewesen als Rückzugsbereich.
Mit den Renaturierungen gaben die Menschen der Brenz also nicht nur ihr Flussbett zurück – sondern vor allem vielen Tieren und Pflanzen den Lebensraum.

 

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